Zehn Jahre war Peter Ackermann alt, als er einen Menschen fand, nach dem er sich lange gesehnt hatte: Einen großen Bruder. Der zeigte ihm wie man Feuer macht und Äpfel und Kartoffeln darin brät. Er half, einen alten Luftschutzkeller herzurichten, in dem sich die Pfadfindergruppe traf. Der „große Bruder“ war ihr Anführer – ein Mann, zu dem Peter aufschauen konnte. Davon gab es nicht mehr viele. Der Vater, die Großväter und fast sämtliche Onkel waren im Krieg gefallen.
Bis heute erinnert sich Peter Ackermann gern an die Pfadfinder-Zeit zurück mit ihrer wunderbaren Mischung aus Abenteuer und Geborgenheit. Abenteuer und Geborgenheit, das möchte Peter Ackermann auch Kindern von heute schenken.
Im Jahr 2004 gründete er die „Kreuzberger Kinderstiftung“. Die hat ihren Sitz in einem alten Backsteinhaus am Berliner Landwehrkanal. Das Haus hat Ackermann licht und modern mit Glas, Edelstahl und viel Eichenholz renoviert. Der große Garten darum herum gehört ganz den Kindern. Es gibt ein Baumhaus, einen Bootssteg, eine Remise – und viel Platz zum Toben. Hier treffen sich Kindergruppen aus der Nachbarschaft, die „Gartenpiraten“ bauen Obst und Gemüse an, die „Spree-Bären“ paddeln gemeinsam über Berlins Flüsse und Kanäle.
Ackermanns Stiftung unterstützt auch andere Kinder- und Jugendprojekte und sie vergibt Stipendien an Austauschschüler. Die kommen, das ist neu, nicht aus Gymnasien, sondern aus Haupt- und Realschulen. Ackermann wünscht sich mehr „Bildungsgerechtigkeit“, unabhängig vom Einkommen der Eltern.
Mit 3,4 Millionen Euro „Stammkapital“ hat Ackermann seine Stiftung ausgestattet. „Das war ein Fehler“, sagt der Rechtsanwalt heute. „Mit dem Geld arbeiten doch nur die Banken.“ Tatsächlich ist die Rechnung, die er aufstellt, ernüchternd. Legt ein Unternehmer eine Million Euro Stiftungskapital zu einer Rendite von vier Prozent an, bleiben 40.000 Euro im Jahr fürs Geschäft – kaum mehr als der Steuerberater, die Stiftungsverwaltung und die Rücklagen für einen Inflationsausgleich kosten. Ohne hohe laufende Zuschüsse aus seinem Privatvermögen könnte auch Ackermanns Stiftung wenig bewegen.
„Ich hätte mir vor der Gründung besseren Rat holen sollen“, sagt Ackermann. Eine Verbrauchsstiftung, bei der das Stammkapital in einem vorher festgelegten Zeitraum für den eigentlichen Stiftungszweck verbraucht wird, wäre seiner Meinung nach die bessere Alternative gewesen. Erst bei einem Stammkapital jenseits von 10 Millionen Euro sei die „relevante Betriebsgröße“ für eine herkömmliche Stiftung erreicht.
Auf diese Größe würde Ackermann gern über Fusionen wachsen. Er hält Ausschau nach Stiftungen, denen es wie ihm um die „Persönlichkeitsbildung“ von Kindern geht. Die passiert, davon ist Ackermann überzeugt, zu einem großen Teil im „Zwischenraum zwischen Elternhaus und Schule“. Ob beim Tollen im Garten, der gemeinsamen Kanufahrt oder den Pfadfinder-Treffen im Luftschutzkeller, die rechte Mischung aus Geborgenheit und Abenteuer macht Kinder stark.