Erzähl doch erstmal, wie du auf diese Idee gekommen bist.
Also, wir hatten an unserer Schule ein Projekt, das hieß „Exhibition”. Da sollte man Probleme aufschreiben, die es auf der Welt gibt, und eine Lösung dafür finden. Es musste keine Lösung sein, die dann wirklich umgesetzt wird, aber es sollte wenigstens theoretisch funktionieren. Jeder hat dann seine Idee der ganzen Klasse vorgestellt.
Konntet ihr euch einfach irgendein Problem aussuchen, egal welches?
Ja. Einer hat z.B. was zu der Sicherheit in den Bergen gesagt und, dass man immer einen Helm aufhaben soll beim Skifahren, und ein anderer hat was mit Jugendlichen, die zu viel Alkohol trinken, gemacht. Einer hat auch was mit Vulkanausbrüchen gemacht, der hat sogar einen Vulkan gebastelt, der frisch explodiert aussah.
Ich habe mir überlegt, dass es vor der Schule immer so ein Verkehrschaos gibt. Da stehen zum Beispiel extra Schilder mit “Bitte Motor ausschalten“. Aber die Leute machen es nicht und es gibt ganz viel Rauch und CO2-Ausstoß. Da dachte ich mir, dass man stattdessen Schulbusse nehmen könnte – das war dann mein Thema.
Wem gehören denn die Autos? Sind das die Eltern, die ihre Kinder zur Schule bringen?
Ja. Unsere Schule hat ungefähr 470 Kinder und die meisten werden von ihren Eltern mit dem Auto gebracht. Es kommen dann jeden Morgen so um die 150 Autos an. Manche fahren aber auch mit der Tram. Das mit den Schulbussen ist mir eingefallen, weil man damit Zeit sparen kann und auch die Umwelt schont.
Habt ihr denn keine Schulbusse?
Doch, aber nur drei oder vier Stück, und die wurden dann weggestellt.
Warum?
Ein paar Eltern fanden es zu aufwändig. Die Kinder müssen dann ja extra zur Haltestelle gehen und sie müssen auch früher aufstehen, weil man noch ein Stück laufen muss. Der Bus ist auch ein bisschen unbequem. Und man muss die Fahrt bezahlen. Ich habe dann aber aufgezählt, welche Vorteile Schulbusse haben: Das Gute ist, du bist immer pünktlich in der Schule. Du hast Spaß im Bus mit deinen Freunden. Die Eltern können Zeit sparen, weil sie nicht mit dem Auto fahren müssen. Und am wichtigsten ist, dass es weniger CO2-Ausstoß und keine Staus mehr gibt.
Wie hast du rausgefunden, wie viele Autos es bei euch gibt? Hast du die gezählt?
Nein. Ich habe in meiner Schule nachgefragt, wie viele mit der Tram fahren. Das waren ungefähr 170. Ich habe auch noch Schüler an anderen internationalen Schulen interviewt.
Wie hast du das gemacht?
Ich habe die Fragen für das Interview aufgeschrieben. Meine Lehrerin hat die dann an die anderen Schulen weitergeschickt. Vier Schulen haben geantwortet. Diese Schulen hatten aber schon richtige Schulbusse.
Warum wär das mit den Schulbussen eigentlich so eine gute Sache? Du hast gesagt, damit ließe sich der CO2-Ausstoß reduzieren. Hast du das denn überprüft?
Ein Bus stößt nur 20 Gramm CO2 pro Person aus, bei einem Auto sind es 50 Gramm! Also produziert ein Auto doppelt so viel Abgase pro Person wie ein Bus. Wenn es an jeder Schule so eine Initiative geben würde, würde es der Umwelt viel besser gehen.
Hast du dich schon immer für Umweltthemen interessiert?
Schon länger. Und ich wollte auch den anderen klar machen, wie gefährlich das mit dem Klimawandel ist. Das zum Beispiel 700 Millionen Menschen fliehen müssen, wenn das Eis weiter weg schmilzt, weil dann das Meer ansteigt.
Wie ging es denn dann weiter mit deinem Projekt?
Ich habe in meiner Klasse einen Fragebogen aufgehängt, um rauszufinden, wie viele von uns einen Schulbus wollen. Zehn wollten, einer wollte nicht. Ich hab auch die Eltern gefragt, dass sie den Fragebogen ausfüllen. Außerdem habe ich diese Bilder in der Klasse rumgezeigt (zeigt Bilder), die hat mein Vater mir gegeben.
Was ist denn auf den Bildern zu sehen? Erkläre doch mal.
Auf dem hier sind Huskies drauf, die nicht mehr richtig laufen können, weil da kaum noch Eis ist. Da drunter steht: „The huskies can’t run anymore in Greenland and are angry and have no place”. Hier sind noch Polarbären zu sehen, die von Eisscholle zu Eisscholle springen müssen. Und dann habe ich drunter geschrieben: „What do you think this polarbear is thinking? Write it down.“ Aber da hat leider keiner mitgemacht.
Ich habe auch ein Bild gezeigt, wo man die Wirkung von Abgasen ganz deutlich sehen konnte. Da waren Leute drauf mit Gasmasken, hustende Hunde und eine 20-spurige Autobahn mit ganz viel Staub in der Luft. Das war vielleicht schon fast ein bisschen übertrieben. Aber ich versteh nicht, warum die Leute nicht einfach die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen, Bus, Tram, und U-Bahn.
Hast du mal mit den Eltern gesprochen oder mit den Lehrern, warum sie mit dem Auto fahren und nicht mit dem Bus?
Es ist halt bequemer. Man kann einfach direkt ins Auto springen. Natürlich wissen die Leute, dass die Abgase der Umwelt schaden. Aber sie denken sich: ein Einzelner wird wohl schon keinen Unterschied machen. Aber wenn jeder so denkt…, na ja. Meine Mutter hat mir mal einen Artikel gezeigt von einem Mann, der umweltfreundlicher leben wollte. Er wollte zum Beispiel einen Rasenmäher mit Solar benutzen. Aber um den umweltschonenden Rasenmäher zu besorgen ist er so viel rumgefahren, dass er am Ende mehr CO2 produziert hat, als wenn er sich keinen Solarrasenmäher besorgt hätte.
Warst du denn erfolgreich mit deiner Schulbus-Idee?
Am Anfang waren sich alle einig, alle wollten Schulbusse. Aber jetzt sagen manche, dass das zu aufwändig wäre, so wie früher. Die Schüler wohnen nämlich weit verstreut und es gibt Leute, die sagen, dass man mindestens 60 bis 70 Busse braucht, um morgens alle Kinder in die Schule zu fahren.
Was hast du denn dazu gesagt?
Ich hab gesagt, dass es natürlich keinen Sinn macht, 60 oder 70 Busse zu haben. Es soll natürlich kein Bus in ein winziges Dorf fahren, um da nur einen Schüler abzuholen. Ich habe den Leuten, die dagegen waren, gesagt, dass sie das alles in das Kommentarbuch schreiben sollen. Es müssen ja nicht alle die gleiche Meinung haben.
Haben die das gemacht?
Ja.
Super. Und was macht man mit den Kindern, die verstreut in kleinen Dörfern leben, wo der Bus nicht extra hinfahren kann?
Also es gibt zum Beispiel Leute, die kommen jeden Morgen aus Frankreich, aus dem Elsass hierher. Da könnte der Bus nicht vorbeifahren. Aber die Eltern könnten ihre Kinder zum Beispiel in einen naheliegenden Ort fahren, wo der Bus hält.
Hat sich denn durch das Projekt irgendwas bei dir und deinem Lebensstil verändert?
Früher bin ich auch immer mit dem Auto gebracht worden. Dann dachte ich, als es noch kalt war, dass ich ja mit der Tram fahren könnte und im Sommer dann mit dem Fahrrad. Ich war mir aber nicht so sicher mit dem Weg, und meine Mutter fand den Schulweg auch etwas gefährlich. Aber jetzt, wo ich älter bin und auf einer anderen Schule bin, fahre ich mit dem Fahrrad. Im Winter, wenn es schneller dunkel wird und oft Eis auf der Strasse ist, nehme ich den Bus. Ich denke jetzt auch immer daran kein Licht unnötig brennen zu lassen, und ich habe eine Taschenlampe, die man aufkurbeln muss. Mein Vater hat mir einen Baukasten geschenkt, da ist zum Beispiel ein kleiner Helikopter dabei, der durch Solarenergie angetrieben wird.
Und wie geht es jetzt weiter mit Deinem Projekt?
Also, eigentlich wollte mir die Direktorin mit dem Projekt helfen. Sie wollte sich um die Anzahl der Busse und die Routen und so was kümmern. Sie hat gesagt, mein Job ist es, Leute für die Idee zu begeistern. Ich habe das dann gemacht und mir zum Beispiel vorgenommen, dass ich meinen ‚Werbetext’ auswendig lerne, damit die Leute mich ernster nehmen.
Ich glaube, wenn zum Beispiel öfter mal was darüber in der Zeitung steht, auch darüber, dass wir die einzige Schule sind, die noch keine Schulbusse hat, dass dann eher was unternommen wird. Das ist wie bei der alten Geschichte von den Baslern und den Zürichern mit dem Turm. Bauen die Züricher einen, bauen sich die Basler einen höheren usw.
Gibt es noch irgendetwas, was ich noch nicht gefragt hab, was du wichtig findest?
Wir haben in der Schule ein Bild. Das zeigt zwei Fabriken, eine gute und eine schlechte. Bei der schlechten sieht man ein großes, komplett abgeholztes Gelände mit riesigen Rauchwolken und überall ist Abfall. Der Fluss, an dem die Fabrik liegt, ist voll mit Öl, Flaschen und anderem Müll und die Fische sind alle tot. Auf dem Strand liegen Röhren, die Öl in den Fluss laufen lassen. Auf der anderen Seite ist auch eine Fabrik, aber da kommt viel weniger Rauch raus und da stehen Bäume drum herum. Bei dieser Fabrik gibt es auch viel mehr Menschen, die dort arbeiten und nicht so viele Maschinen. Das Bild soll den Leuten zeigen, dass man auch umweltfreundliche Fabriken haben kann.
Aber wie kriegt man die Leute dazu, dass sie gute Fabriken bauen? Wie kriegt man sie dazu sich zu ändern?
Man muss das mit Beispielen machen, wie zum Beispiel die schmelzenden Gletscher. Die Leute müssen zum Nachdenken gebracht werden, die müssen realisieren, dass sie ihre eigene Welt kaputt machen. Die Menschen machen oft das Bequemste. Ich finde das muss man ändern.
Vielen Dank, Egmond.