Das Projekt “Enterprising Youth” läuft jetzt im vierten Monat. Damit ist die erste Projektphase fast abgeschlossen. Schwerpunkt dieser Phase war die Unterstützung junger Menschen, mit dem Ziel ein besseres Verständnis von der heimischen Wirtschaft und kreative Ideen zum Aufbau einer erfolgreichen und glücklichen Zukunft zu entwickeln. Der Enthusiasmus war groß. An einigen Orten mussten Chadreque und Helena (die beiden Teamleiter des Projekts) sogar Interessenten ablehnen, mit dem Versprechen, das Programm zu einem späteren Zeitpunkt sicher noch mal durchzuführen. Inzwischen haben wir das Drei-Tages-Einstiegsprogramm in fünf ländlichen Gemeinden, drei kleineren Städten und den beiden Distrikt-Hauptstädten durchgeführt. An den Sessions haben im Schnitt 30 Personen teilgenommen, so dass wir bisher um die 350 Jugendliche erreicht haben.
In den kleinen ländlichen Dörfern haben nur wenige der Teilnehmer einen akzeptablen Bildungsstand und „Jugend“ kann hier, wie wir gelernt haben, locker von 14 Jahren bis Ende 30 reichen. Da überrascht es kaum, dass es gerade in diesen Gemeinden am schwierigsten ist, mit den jungen Menschen Visionen und Ideen zu wirtschaftlichen Aktivitäten zu entwickeln. Visionen und Ideen, die „Löcher stopfen“, sprich mehr von dem hart verdienten Geld im lokalen Wirtschaftskreislauf halten könnten. Den größten Enthusiasmus und die meiste Kreativität fanden wir in den kleinen Städten. Dabei handelt es sich um schnell wachsende Städtchen und Handelszentren, die immer besser mit der Provinzhauptstadt und sogar darüber hinaus vernetzt sind (durch Mobiltelefone, Stromversorgung und bessere Straßen). Die jungen Leute hier sind auf dem Laufenden darüber, was in der Welt um sie herum passiert; sie fahren nach Chimoio und kommen mit Musik-CDs , kopierten DVDs oder Second-Hand Bekleidung zurück, die sie auf dem heimischen Markt verkaufen. Hier haben wir geradezu ein Verlangen nach Veränderung und einen Reichtum an Ideen beobachtet. In den Distrikt-Hauptstädten herrschte dagegen mehr Zynismus. Die jungen Menschen dort haben besseren Zugang zu Bildung und viele haben eine weiterführende Schule abgeschlossen. Aber außerhalb der Stadtverwaltung gibt es kaum Arbeitsplätze. Da ist eine gewisse Mutlosigkeit verständlich. Diese abgeklärten Jugendlichen aufzumuntern und zu animieren ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen, braucht Zeit.
Jetzt stecken wir in den Vorbereitungen für den Start der zweiten Projektphase. Dann sollen die Jugendlichen mit Mentoren zusammenarbeiten, die helfen, aus den Ideen und Träumen konkrete Kleinbetriebe zu entwickeln. Über 300 persönliche Statements liegen uns vor und jedes enthält eine Passion – etwas, das der oder die betreffende Jugendliche wirklich gerne machen möchte. Die meisten dieser Passionen sind recht nüchtern: ein Friseursalon, ein Geschäft, eine Tischlerei oder Bäckerei. Das scheint alltäglich, doch im Normalfall blieben die meisten davon trotzdem unerfüllt. Vielleicht würde eine junge Frau weiterhin ein bisschen Geld verdienen, indem sie ihren Freundinnen die Haare schneidet und frisiert, aber ohne Unterstützung hätte sie niemals die Mittel und den Mut einen Salon zu eröffnen. Oder der junge Mann, der anstatt Filme auf einer großen Leinwand zu zeigen, was sein Traum ist, illegal kopierte DVDs auf dem Markt verkauft. Denn er weiß, dass er sich die Ausrüstung für ein Kino niemals leisten könnte. Genau dies müssen wir ändern.
Es ist zu früh, um über Ergebnisse zu sprechen, aber eine kleine Geschichte möchte ich gerne erzählen: Letzten Sonntag waren wir hoch in den Bergen nahe Mount Binga, Mozambique’s höchstem Punkt. Die Gesellschaft dort besteht aus vier Dörfern unter dem Vorstand (Regulo) von Nhaheze. Dies war eine der ländlichen Gemeinden, in denen Chadreque und Helena tätig waren. Die Gegend ist abgeschieden, nur über einen schlechten, felsigen Weg erreichbar und vom regulären Güter- oder Personenverkehr abgeschnitten. Es gibt weder Geschäfte noch Dienstleistungen. Wir waren dort, um eines unserer touristischen Programme zu besprechen - am 27. September legt der Regulo den Grundstein zum Bau einer ersten Lodge (Unterkunft) für Touristen. Aus diesem Anlass gibt es eine Zeremonie, wofür die Bürger große Mengen eines traditionellen Getränks, hergestellt aus verschiedenen Getreidesorten, zubereiten müssen. Normalerweise würden wir alles Nötige dafür kaufen und den Menschen geben. Auf unsere Frage, was sie dafür bräuchten, antwortet Regulo Nhaheze: „Wir benötigen nur das Geld. Chadreque hat uns erklärt, dass wir untereinander handeln müssen. Alles, was wir brauchen, gibt es hier im Dorf und die jungen Menschen wären enttäuscht, wenn Ihr es anderswo besorgt.“