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24. Februar 2010: Ein Neuanfang


Der Beginn eines neuen Projekts flößt mir immer wieder Respekt ein - eine Mischung aus aufgeregtem Optimismus (das hier könnte wirklich was bewirken) und zugleich das Bewusstsein über all die praktischen Herausforderungen, die vor einem liegenMit Förderung einer privaten Stifterfamilie aus Großbritannien i.H.v. $ 40.000 zieht MICAIA Enterprising Youth auf. Das Projekt ist darauf zugeschnitten, jüngeren Menschen in ländlichen Regionen und in Kleinstädten dabei zu helfen, die lokalen wirtschaftlichen Bedingungen besser zu verstehen, und ... ja, unternehmerischer zu werden.

Das Projekt soll in 2 Regionen anlaufen. Heute sind wir im Tambara Distrikt angekommen, 4 Stunden nördlich von Chimoio, der Hauptstadt der Manica Prozinz. Obwohl, "angekommen" ist etwas hochgegriffen. Wir sind auf dem letzten Loch pfeifend in Nhacolo eingerollt, der Hauptstadt des Distrikts,  nachdem unser ramponierter alter Landrover zuvor mehr oder weniger zusammengebrochen ist. Der Keilriemen - den braucht man für das Kühlsystem, von der Batterie ganz zu schweigen - riss und, ja, wir hätten wirklich anhalten sollen. Aber ohne Handy-Empfang im Umkreis von 50 km und einer Delegation örtlicher Führungspersönlichkeiten, die auf uns warten ... wie auch immer, irgendwie kamen wir an.

Tambara ist trocken, sehr arm und wird weitestgehend ingoriert - insbesondere von Investoren. In der Regenzeit ist der Distrikt für gewöhnlich von der Umwelt abgeschnitten (keine Brücken); die Regenfälle sind in diesem Jahr jedoch ausgeblieben und das Welternährungsprogramm hat schon seine Zelte aufgeschlagen, bereit die unvermeidlichen Lebensmittelhilfen zu kanalisieren. Der Distrikt hat schon in guten Zeiten mit seinen landwirtschaftlichen Erträgen zu kämpfen. Jetzt, ohne Regen, ist die Situation besonders hart; das Vieh stirbt und die Menschen verkaufen ihre Ziegen an skrupellose Händler, die die aufziehende Krise dafür nutzen, lachhaft niedrige Preise zu zahlen. 

Dies ist der Kontext für unsere Eröffnungsansprache vor den Regulos (den lokalen Stammesältesten) und den offiziellen Vertretern des Distrikts - nicht gerade ideale Bedingungen für eine optimistische Präsentation der großen Chancen und Möglichkeiten, die wir sehen. Dennoch, die Regulos wissen besser als jeder, dass die drohende Lebensmittelknappheit Symptom einens größeren Problems ist: dem Umstand, dass die Menschen in der Region, abgesehen vom Lebensmittelanbau, nichts haben, womit sie ihr Geld verdienen (abgesehen von der Ziegenzucht).

Milagre Nuvunga (Geschäftführerin der MICAIA Stiftung) erklärt das Projekt, führt aus, dass der Fokus in der ersten Phase darauf liegen wird, junge Menschen dazu zu motivieren, über ihre Gemeinschaft, ihre Vermögenswerte und ihre Chancen nachzudenken, und auch darüber, was sie in einer idealen Welt gerne tun würden. Dann sollen mithilfe von Coaching Einzelne und kleine Gruppen dabei unterstützt werden, Aktionspläne zu entwickeln und kreativ darüber nachzudenken, wie erste Schritte aussehen könnten.

Die Regulos sind offensichtlich interessiert. Wir führen Beispiele für mögliche Vermögenswerte auf: der Fluss selbst, derZambezi, der sich durch die Geschichte Mozambiques und ganz Afrikas zieht und voll ist von Tigerbarschen und Nilpferden - er könnte vielleicht im Fokus eines neuen Tourismus-Projekts stehen. Wir erwähnen den Wald im Inland und die heimischen Bäume, die sich für die Waldwirtschaft eignen könnten und ideale Standorte für die kommerzielle Produktion von Bio-Honig wären. Wir spekulieren über die Eignung des Distrikts für die Straußenzucht, und natürlich kann man die Krokodile nicht ignorieren. Den Regulos ist die Vorstellung, dass die Krokodile - ein massives Problem für die Menschen am Zambezi Fluss - einen Vermögenswert darstellen könnten, völlig neu. Aber als Milagre erwähnt, dass Menschen in Maputo hohe Preise für Krokodilfleisch zahlen, und dass sich mit jährlichen Abschussquoten (wohl die einzige Möglichkeit, die Population in den Griff zu bekommen) beträchtliche Gewinne erwirtschaft ließen, gibt es großes Gelächter und spontanen Applaus (der Inbegriff einer Win-Win-Situation!).

Am Ende des 2-stündigen Treffens sagen die Regulos, dass sie bereit und willens sind, das Projekt zu unterstützten, und dass sie nur darauf warten, dass wir anfangen. Wir einigen uns darauf, dass wir in der 2. Märzhälfte zurückkommen, um geeignete Coaches zu interviewen, die dann mit den jungen Menschen zusammenarbeiten sollen. Der Präfekt des Distrikts hielt eine optimistische Abschlussrede und wir brachen gemeinsam zum Mittagessen auf.

Später als geplant, Sturmwolken hatten sich zusammengebraut, brechen wir mit unserem geschundenen Landrover in Richtung Chimoio auf. Wir fahren 30 km/h, als unser Wagen völlig überhitzt.

Während wir mit dampfendem Motor am Straßenrand stehen, kommt ein junger Mann auf uns zu. "Wollt ihr meine Ziege kaufen?", fragt er uns. Ich kann mir nicht verkneifen darüber nachzudenken, dass der Verkauf von völlig überteuertem Wasser ein unternehmerischeres Unterfangen gewesen wäre.