Die Anzahl der jungen Menschen, die sich von ihren um das Dorf herum verstreuten Häusern auf den Weg zu unserem Treffpunkt gemacht hatten, war kaum noch zu überblicken; als wir zählten, waren wir irgendwann bei 90 angelangt, aber es kamen noch mehr. Der Anlass war der Startschuss für MICAIA's "Enterprising Youth"-Projekt und die ersten Workshops dazu. Wir hatten beschlossen die ersten Treffen an einem uns gut bekannten Ort durchzuführen: Chimucono Village, Darue Locality im Sussundenga-Distrikt. Das Projekt läuft in zwei Distrikten: Tambara in der nördlichen und Sussundenga (näher an der Hauptstadt Chimoio) in der zentralen Provinz. Die Durchführung des Projekts ist an unterschiedlichen Orten geplant: in einigen ländlichen Gemeinden und in kleineren Städten, in den Hauptstädten der beiden Distrikte und auch in Chimoio, der Provinz-Hauptstadt. Damit aktivieren wir theoretisch nicht nur an jedem der Orte junge Menschen, sondern wir erfahren auch viel über die sozialen Geflechte und wirtschaftlichen Ströme zwischen ländlichen Regionen und Städten und gewinnen damit einen Schatz vergleichbarer Daten.
Chimucono ist die wichtigste Stadt in der Umgebung, wobei Darue Locality insgesamt weniger als 4.000 Einwohner hat. Die Besiedelung ist jedoch breit im und um den umgebenden Wald verstreut. Grob geschätzt sind rund 80% der jungen Menschen arbeitslos oder hochgradig unterbeschäftigt. Die meisten der Frauen nehmen verschiedenste Rollen in der Familie wahr und viele von ihnen heiraten sehr jung, um ihre eigenen Familien zu gründen. So hat es uns nicht überrascht (obwohl es eine Herausforderung darstellt, die wir angehen müssen), dass der Frauenanteil der jungen Menschen, die zu unserem Workshop kamen, bei unter 20% lag.
Chadreque Gurumane, MICAIA's Programmdirektor für bürgerschaftliches Engagement, leitet auch das "Enterprising Youth"-Projekt. Er wusste, dass wir für den ersten Workshop zu viele Teilnehmer hatten, um effizient arbeiten zu können. Also verhandelte er und stielte ein, dass wir diesen Workshop zu einem späteren Datum wiederholen konnten, damit jeder mitmachen kann. Als wir dann endlich anfingen, hatten wir noch 44 Teilnehmer im Alter von 18-25 Jahren.
Die erste Projektphase besteht aus 3 Tagen voller interaktiver Diskussionen, Rollenspiele und anderer Prozesse. Tag 1 steht ganz im Zeichen der Förderung des Verständnisses über die lokale Wirtschaft - wie sie funktioniert und wie sie sich verändert. Die Menschen hatten uns von den wichtigsten ökonomischen Aktivitäten in ihrem Gebiet berichtet (Landwirtschaft, u.a. Bananenanbau) und auf das in der Gemeinde vorhandene Kapital hingewiesen: gutes Land, ganzjährige Wasserversorgung, ein riesiger Wald mit fruchtbaren Bäumen und Heilpflanzen. Einige der jungen Leute hatten das bisher ungenutzte Potenzial bereits erkannt. So sagte ein junge Mann z.B. (sehr richtig):
In Chimoio kaufen die Menschen Äpfel aus Südafrika, obwohl wir sie auch hier anbauen könnten.... und sie würden sogar besser schmecken!"
In einer fruchtbaren Gegend wie Darue liegt der Betrieb von Landwirtschaft quasi auf der Hand, doch wir möchten die Menschen dazu ermutigen, eine vielfältigere lokale Wirtschaft zu entwickeln und voranzutreiben. Damit die Diskussion in Gang kam, nutzten wir einen Eimer, der voller kleiner Löcher war. Zuerst haben wir die Leute gebeten uns von den Dingen zu erzählen, die sie kaufen und wo diese herkommen. Dabei wollten wir auch erfaharen, was sie in die Bezirksstadt von Sussundenga oder gar nach Chimoio lockt.
Sobald wir ein paar Beispiele hatten, gossen wir Wasser in den Eimer und zeigten, wie die lokale Wirtschaft funktioniert. Viel von dem Geld, das vor Ort eingenommen wird, verlässt den heimischen Wirtschaftskreislauf wieder, weil die Bevölkerung Güter und Dienstleistungen woanders kaufen muss. Andererseits kaufen sie Dinge im Ort, die in benachbarten Städten hergestellt werden, wobei - abgesehen von der Einzelhandelsspanne - der größte Gewinnanteil woanders erzielt wird.
Klar war die Belustigung groß, als Wasser um die Füße der jungen Menschen floss. Aber der Trick funktionierte besser als wir zu hoffen gewagt hatten. Einmal angeregt und mit neuer Einsicht sponnen die jungen Teilnehmer allerlei Ideen, wie die Löcher zu stopfen seien. "Wir sollten Seife herstellen", sagte eines der wenigen Mädchen. "Es sollte hier eine richtige Apotheke geben, denn meistens müssen wir für Arzneimittel bis nach Sussundenga" (50 km), schlug ein anderer vor. Bäckereien, KFZ-Werkstätten, Friseursalons, ein Fotostudio, Tischlerei und Schweißtechnik - eines nach dem anderen wurden die Löcher gestopft. Am Ende dieses inspirierenden Tages hatten wir zusammen eine ganz neue lokale Wirtschaft entworfen.