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1. Dezember 2010: Frustration in der Stadt


Ich hatte die Provinz Manica für einige Wochen wegen MICAIA Treffen in Maputo und einer Reise nach Europa verlassen.

Am Tag meiner Abreise hatte ich ein Gespräch mit Chadreque, Projektmanager des Projekts „Enterprising Youth“. Er berichtete mir von seinem Plan, in Chimoio, der Hauptstadt der Provinz, die erste Phase unserer Trainings zu starten. Damit würden wir unser Projekt auch dorthin ausweiten. Bisher haben wir bereits über 400 junge Frauen und Männer mit dem Projekt erreicht, so Chadreque.

Der Enthusiasmus der jungen Menschen, erzählte er mir – ihr Hunger zu lernen und das große Verlangen jedwede Gelegenheit dafür zu nutzen – kommt unserem Projekt zugute. Wir haben für jeden Teilnehmer einen Bogen zum Ausfüllen vorbereitet. Auf dem Bogen gibt es das Feld „Mein Traum“, in das die Teilnehmer ihre Ideen und Wünsche eintragen. Viele dieser Träume sind sehr einfach und, wie wir hoffen, auch erreichbar: ein Friseursalon, eine Diskothek, ein Laden. In der zweiten Hälfte unseres Projekts wird die Herausforderung sein, ein grundlegendes Verständnis davon zu vermitteln, wie man ein solches Geschäft aufbaut und führt. In einigen Fällen werden wir auch bei Unternehmensgründungen Unterstützung leisten. 

Zuerst wollten wir jedoch die erste Phase des Programms in Chimoio durchführen. Chimoio ist eine lebendige und wachsende Stadt mit 300.000 Einwohnern, vielen weiterführenden Schulen und einer zunehmenden Zahl an privaten Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen. Leider gibt es dort aber nicht genügend passende Stellen für qualifizierte Arbeitskräfte und die Arbeitslosigkeit nimmt kontinuierlich zu. Man könnte also meinen, dass die Stadtverwaltung sofort die Chance ergreift mit einem Projekt wie „Enterprising Youth“ zusammen zu arbeiten. Weit gefehlt. Seit dem Gespräch mit Chadreque sind sechs Wochen vergangen und wir bemühen uns immer noch eine Erlaubnis von der Stadtverwaltung für unseren dreitägigen Einsteigerkurs zu bekommen. 

Unser erster Fehler war nämlich, ein Gebiet für die Trainings auszuwählen, in dem ein Großteil der Bevölkerung die Opposition wählt (nie eine gute Idee!). Auf unsere freundlichen Anfragen hin, im Nachgang zu unserem formalen Antrag, erhielten wir keine Antworten. Schließlich bekamen wir ein Schreiben, demzufolge unser vorgeschlagener Veranstaltungsort nicht geeignet sei. Wir bekamen die Aufforderung einen neuen Veranstaltungsort zu suchen. Als wir dies getan hatten, wendeten wir uns wieder an die Stadtverwaltung. Der zweite Fehler war nun, dass wir zuviel darüber Preis gegeben hatten, was wir tun wollten. Solche Formulierungen wie „jungen Menschen zu helfen die lokale Wirtschaft zu verstehen“ klang anscheinend bedrohlich unspezifisch. Hier in Mozambique werden Trainings und Schulungen nur von Lehrpersonal mit spezieller Ausbildung durchgeführt. Daher fragten uns die Behörden nun nach unserem genauen „Lehrplan“! Angesichts der Tatsache, dass in der Provinz große Investitionen und Landverkäufe durchführt werden, war es vermutlich die Befürchtung der Behörden, dass wir junge Menschen anstacheln und zu Aktivisten machen; man stelle sich vor, die jungen Menschen könnten fragen, warum nur ein so geringer Bruchteil der Investitionen bei der Bevölkerung ankommt!

Glücklicherweise haben wir mittlerweile die Erlaubnis weiterzumachen. Wir griffen dafür auf die Dienste gut vernetzter und erfahrener Freunde zurück, die sich mit den labyrinthartigen Arbeitsweisen in den Behörden auskennen. Wenn Chadreque von den Vorbereitungen für die zweite Phase der Trainings aus dem Tambara Distrikt zurück kommt, wird er das Stadtprogramm endlich organisieren können. 

Für die zweite Projektphase haben wir eine Reihe von Trainings entwickelt, die unsere Teilnehmer durch verschiedene Themenfelder wie Geschäftsplanung, Marktanalyse und Finanzierungsmöglichkeiten führen. Parallel zur Trainingssession werden wir einige der am meisten engagierten Teilnehmer darin beraten, wie sie ihre Geschäftsidee am besten umsetzen können. Als Unterstützung für diese zweite Phase haben wir einen erfahrenen Geschäftsberater engagiert, Alfredo Banete, über dessen Vor-Ort-Besuch in Tambara wir in unserem nächsten Beitrag berichten werden.